Beyenburg
Um sich die Geschichte Beyenburgs vorstellen zu können, muss man sich einen Augenblick in das tiefste Mittelalter zurück versetzen. Stellt Euch fahrende Händler und Gaukler vor, sowie den Medicus, welcher wenn es das Wetter erlaubt, von Haus zu Haus zieht.
Es ist das Jahr 1200. Eingerahmt an der engsten Stelle der Wupperschleife, zwischen riesigen Baumbeständen, steht ein steinerner Gutshof. Allein die Tatsache, dass dieser Hof aus Stein gebaut wurde, und damit einer Befestigungsanlage sehr ähnlich sah, ist schon sehr ungewöhnlich, da zu dieser Zeit die Gutshöfe vorzugsweise in Fachwerk erstellt wurden. Noch heute erinnert die “Steinhauser Straße” und “Steinhaus”, an dieses alte Gemäuer. Eigentümer des Gehöfts war damals der Graf von Berg.
Eben einer dieser von Berg, nämlich Graf Adolf V., sollte es sein, der die Geschichte Beyenburgs nachhaltig prägte. Im Jahr 1296 berief er den Predigerorden der Kreuzherren in die Wupperschleife. Der Orden widmete sich grundlegend den Fragen der Wissenschaft, und dem Dienst an der Jugend. Als die Kreuzherren im Jahre 1298 eintrafen, benötigten sie eine Unterkunft. Was lag näher als sie im steinernen Haus einzuquartieren. Dieses wurde unter dem Namen Kreuzbrüderkloster zum steinernen Haus bekannt.
Vorerst genügte dies dem Orden. Doch mit der Zeit traten durch die Nähe zur Landstrasse Probleme auf. Man kann sich gut vorstellen, dass nicht jeder Pilger oder Reisende, der am Kloster vorbeizog, mit guten Manieren ausgestattet war. Es war Graf Wilhelm I. von Berg, der die Kreuzherren im Jahre 1302 von dieser Schmach erlöste. Er übergab dem Orden ein Stück Land, welches in alten Urkunden als Bienenberg, Biggenberg, oder Beyenberg genannt wurde. Dort konnten sich die Kreuzherren eine Kirche, sowie ein Kloster bauen. Die Bauarbeiten am Kloster begannen aber erst rund zwei Jahrhunderte später. Urkunden verweisen in diesem Fall auf das Jahr 1497. Die Grafen von Berg errichteten in der Wupperschleife schon im Jahre 1363 eine Burganlage, wodurch wahrscheinlich der Name Beyenburg entstand. Alte Aufzeichnungen von 1363 sprechen in diesem Zusammenhang vom “Schloss” Beyenburg.
Während der Reformation im Bergischen, zwischen 1550 – 1560, zeigte sich wieder die enge geschichtliche Verbundenheit der Kreuzherren mit Beyenburg. Es ist wahrscheinlich ihrem Einfluss und ihrer Präsenz zuzuschreiben, dass Beyenburg beim alten Glauben blieb, und der Reformationsgedanke in Beyenburg nicht Fuß fassen konnte.
Leider zog nicht alles so glimpflich an der Gemeinde vorbei. Der 30-jährige Krieg, sowie der 7-jährige Krieg von 1756 – 1763, ließen Beyenburg leiden. Die Beitreibung von Geldern muss die Bewohner bis an die Grenzen der Belastbarkeit gebeutelt haben. Hinzu kamen die fremden Truppenverbände, die durch die Gemeinde stapften, und nicht sehr glimpflich mit den Bewohnern umgegangen sind.
Auch 1806 war ein entscheidendes Jahr. Das Herzogtum Berg fiel unter die französische Herrschaft. Das Land wurde neu, nach französischem Muster, in Bezirke aufgeteilt. Die alten Verwaltungsbezirke, welche die Grafen von Berg im 14 Jahrhundert eingerichtet hatten, wurden damit nichtig. Dadurch gehörte Beyenburg nun zu Lüttringhausen. Dies änderte sich erst durch die Gemeindereform vom 31. Juli 1929, bei der Beyenburg zu Wuppertal eingemeindet wurde.
Wenn man heute durch das verträumte Städtchen wandert, erinnern noch die wunderschönen Fachwerkhäuser, sowie die alte Kirche an die damaligen Zeiten. Beyenburg hat sich seinen Charme bewahrt, der viele Wanderer und Radfahrer anlockt. Der nah gelegene Stausee lädt im Sommer zum grillen und entspannen ein.
Ähnliche Beiträge im Kalkofen-Blog:


