Elberfeld
Begeben wir uns zunächst wieder in eine Zeit, wo nicht frei gewählte Politiker, sondern Grafen und Erzbischöfe das Land prägten. Eine Zeit, wo Kirchen sowie Tafelhöfe wichtige Stationen für die Obrigkeit darstellten.
Wir schreiben das Jahr 955. An der Stelle der heutigen reformierten Kirche entstand ein steinerner Bau. Eine Kirche die dem heiligen Antonius oder Laurentius geweiht war. Dies genau zu bestimmen, ist leider nicht mehr möglich.
Da der damalige Kölner Erzbischof eine Versorgungsstation an der Missionsstrasse nach Soest benötigte, gründete er kurzerhand den Tafelhof Elberfeld. Urkundliche Erwähnungen finden wir erst um 1161, wo ein Schulte von Elverfeld namentlich erfasst wurde. Schon damals benötigte die Kirche Geld, so dass der Tafelhof 1176 als Pfand an den Grafen Engelbert von Berg ging. Die Besitzverhältnisse wechselten oft, bis Elberfeld um 1428 endgültig in den Besitz derer von Berg überging. Ein Glücksfall für die Ortschaft, da sie sich im Schutz der Wasserburg frei entwickeln konnte. Der Erfolg blieb nicht aus. Schon im Jahre 1530 wird Elberfeld dass erste Mal offiziell als Stadt bezeichnet. Das Bleichermonopol trug maßgeblich zu diesem rasanten, wirtschaftlichen Aufschwung bei. Die Städte Elberfeld und Barmen erhielten das Monopol vom Landesherren Johann III. gegen eine Zahlung von 861 Goldgulden verliehen. Damit hatten sie das Recht zum Bleichen und Zwirnen erworben.
Somit war der Grundstein für eine florierende Textilindustrie gelegt.
Im Jahr 1537, erschütterte ein Unglück die Stadt. Elberfeld und seine Kirche fielen den Flammen zum Opfer. Drei Jahre später konnte die katholische Kirche nach ihrem erneuten Aufbau wieder eingeweiht werden. Diese sollte aber 1586 Konkurrenz bekommen. Es siedelten sich die ersten reformierten Gemeinden im Tal der Wupper an.
29 Jahre bevor Elberfeld im Jahr 1610 die offiziellen Stadtrechte verliehen bekam, zog die Pest durch die Gemeinden. Allen Hoffnungen zum Trotz, wütete die Pest zwischen 1612 – 1619 nochmals in Elberfeld.
Als wenn nicht schon genug Leid über die Bewohner hereingebrochen wäre, schlug das Schicksal am 22.05.1687 erneut zu. Innerhalb weniger Stunden lagen die Kirche, die Schule, das Rathaus, sowie 350 Wohnhäuser nach einem Großbrand in Schutt und Asche. Es gingen dabei alle alten Aufzeichnungen verloren. Elberfeld erholte sich relativ schnell von diesem Schock, und der Handel blühte wieder auf.
Im Jahre 1743 existierte bereits der erste Paket- und Postverkehr zwischen Elberfeld und Düsseldorf. Es waren bestimmt auch einige Briefe für den Dichter Jung-Stilling darunter, der 1774 von J.W. von Goethe besucht wurde. Zu diesem Zeitpunkt gab es schon mehr als 100 Bleichereien und 1000 Leinenweber im Tal. Elberfeld wuchs wegen der günstigen Lage stetig weiter. Um 1790 zählte die Stadt bereits 14000 Einwohner. Da Elberfeld keine Befestigungsanlage besaß, konnten die Bürger sich ungehindert ausdehnen.
Der Mensch lebt nicht allein von der Arbeit. Das war auch den Stadtvätern klar. Also begann man 1806 mit dem Bau des ersten Theaters an der Hofaue.
Das Jahr 1809 brachte der Stadt neue Einnahmen. Der Seidenhandel mit Mailand blühte auf, was kein Wunder war, da in Elberfeld viele Spinnereien, Seidenwaren- und Baumwollfabriken ansässig waren. Die Industrialisierung war nicht mehr aufzuhalten. Dies war jedem klar, nachdem die erste Dampfmaschine am 10.08.1821 nach Elberfeld kam. Sie fand in der größten Spinnerei, der Firma Peter Reinhold am Neuenteich ihre Wirkungsstätte.
Knapp 10 Jahre später begann man mit dem Bau des Elberfelder Rathauses, welches 1842 eingeweiht wurde. Inzwischen stellte man die Straßenbeleuchtung in Elberfeld auf Gas um.
Der Fortschritt hielt unablässig Einzug in die Stadt. 1863 gründete Friedrich Bayer die heute weltweit bekannte Bayer AG. Die Eisenbahnanbindung ließ nicht lange auf sich warten. Das noch gegenwärtige Direktionsgebäude wurde 1875 fertig gestellt. Es folgte der öffentliche Telefonverkehr, dessen Eröffnung 1882 stattfand. Elberfeld verfügte zu diesem Zeitpunkt über 39, Barmen über 11 Anschlüsse. Die Ausdehnungen der Stadt erweiterten sich zusehend, so dass 1895 die erste elektrische Straßenbahn durch das Tal quietschte. Schon damals war der Döppersberg nicht nur eine Straße, sondern der Knotenpunkt der Stadt. Hier trafen die Schwebebahn, Straßenbahn und der Hauptbahnhof zusammen. Noch heute gilt der Döppersberg als das Tor zur Stadt.
Ein weiteres Bauwerk der Jahrhundertwende, welches noch in Betrieb steht, ist das Amtsgericht. Der Baubeginn wird mit 1908 angegeben.
Im Jahr 1929 wird die Stadt neu gegliedert. Die Bezirke Barmen, Elberfeld, Vohwinkel, Cronenberg und Ronsdorf wurden unter dem Namen Wuppertal zusammengefasst.
Die Kriegsjahre erschüttern auch Elberfeld. Schwere Luftangriffe zerstörten 1943 die Hälfte der Stadt. Erst 1945 nach der Befreiung vom NS-Regime, konnte Wuppertal langsam durchatmen.
Es wurde wieder gebaut. Am 22.06.1957 öffnete die Schwimmoper, die durch ihren ungewöhnlichen Baustil sehr bekannt wurde.
Am 1.8.1972 zieht die höhere Bildung in die Stadt ein. Es wird die Universität Wuppertal gegründet, deren Sitz Elberfeld ist.
Wuppertal geht im Jahr 2001 mit schnellen Schritten in das neue Jahrhundert. Die Modernisierung schreitet schnell voran. Nach der Rathausgalerie wurde ein weiteres Einkaufszentrum, die City Arkaden, in der Nähe des Döppersberg gebaut.
Mit dem bevorstehenden Umbau des Döppersberg wird sich das Gesicht von Elberfeld in Zukunft nachhaltig verändern. Wir dürfen gespannt sein, was dabei heraus kommt.
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30. November 2009 um 14:46
Wau … es wird immer Besser .
Deine Beiträge über Wuppertal finde ich fantastisch .
Dank Dir und deinem Blog mein wissen über den Stadt und umgebung ist immer Grösser , trotzdem Sat bin ich immer noch nicht …
Ich hofe das Du mehr davon hast
Grüsse
01. Dezember 2009 um 22:52
Auf dem Foto gefällt mir Elberfeld besser als heute.
Bin mal gespannt, wann das mit dem Döppersberg los geht.
02. Dezember 2009 um 17:07
@czoczo,

danke Dir für so viel Lob. Langsam werde ich rot.
Keine Sorge, es kommt noch mehr.
@Frank,
auf dem Foto hat Elberfeld ein wenig etwas von Schloss Burg. Auf den Umbau bin ich auch schon sehr gespannt. Das gibt bestimmt Chaos.
14. Februar 2010 um 18:40
Ein Foto ist das allerdings nicht, sondern eine Fantasiezeichnung.
Es gibt keine authentischen Bilder der 1536 abgerissenen Burg und der Freiheit Elberfeld, selbst diese Zeichnung aus dem 19. Jahrhundert ist historisierend ohne das der Zeichner noch irgendetwas davon noch hätte sehen können. Sie basiert sehr frei auf dem Elberfelder Grundriss des J. v.d. Wayhe aus dem Jahre 1602.
14. Februar 2010 um 19:33
@jm,
besser als gar kein Bild.