Er hat zu uns gesprochen
Ich bin ja immer noch ganz hin und weg von dieser “Obamamania”. Dat war aber auch mal schön. Barack Obama war tatsächlich in Berlin und hat zu uns gesprochen. Zehntausende Berliner jubelten ihm dafür zu. Schnieker Anzug, Hochglanz polierte Schuhe, Zahnpastalächeln und dies bei bestem Kaiserwetter. Das ist schon was anderes als die Merkel im Ballkleid bei den Wagner Festspielen.
Von der klassischen “Bravo” Leserin bis hin zu Omma Herta flogen ihm die Herzen zu. Mit solch einem Charisma ist es einem Politiker auch möglich Inhalte zu vermitteln. So dürften wir dann auch erfahren, dass es für uns Deutschen, ach was sag ich, uns Europäer der einzig richtige Weg ist, noch enger mit Amerika zusammen zu rücken. Wir müssen einfach noch mehr Pflichten im Staatenbündnis übernehmen. Ein Schelm ist, wer jetzt an Geld, Waffen und Soldaten für Afghanistan denkt.
Jetzt mal unter uns. Wie der “Rack” (wie ihn schon viele liebevoll nennen) so sportlich, strahlend den Laufsteg hinunter kommt, fallen selbst bei mir die moralischen Bedenken gegen die Todesstrafe und liberale Waffengesetze. Wer so beliebt ist, der weiß was gut ist für das Volk.
Richtig klasse fand ich aber die Umsetzung des gestrigen Events. Wenn wir Demokraten einen demokratischen Präsidentschaftskandidat empfangen, dann soll es auch demokratisch zugehen. Deswegen dürften die USA Kritiker auch ganz demokratisch aus dem Sichtfeld des Sunny Boys, hinter den Absperrungen demonstrieren. Die gläubigen Anhänger und Omma Herta dürften dafür im Gegenzug ganz demokratisch USA Fähnchen schwingen. Mal ehrlich, so ekelige Protestbanner hätten auch das strahlende Gesamtbild irgendwie gestört. Es gibt halt leider immer Nörgler, die den Anderen die Feierlaune vermiesen wollen. Das war in Heiligendamm auch nicht anders.
So, jetzt werde ich ganz obamarisiert mal mein Frühstück machen.
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