Zeiträuber und Pfandflaschen-Terroristen

Viele Menschen empfinden das Einkaufen im überfüllten Supermarkt als Hölle. Wenn dem so ist, dann ist der Pfandflaschenautomat das Tor zur Hölle. Hier kann man die unterschiedlichsten Menschen erleben, die es anscheinend nur darauf abgesehen haben, einem die Zeit zu stehlen. Schauen wir uns einmal einige Typen an, denen wir an diesem Automat begegnen.

Typ eins nenne ich gerne den fröhlichen Zecher. Er zählt für mich zu den harmloseren Pfandmenschen. Mit zittrigen Fingern werden diverse Bierfläschchen aus der abgewetzten Tüte gefischt und relativ schnell, oder besser gesagt was die Koordination noch zulässt in den Automat gesteckt. Zu Verzögerungen kommt es meistens nur bei der Bonausgabe, da der fröhliche Zecher nicht immer zielsicher den Knopf trifft.

Schon härter trifft es einen, wenn er auf Typ zwei trifft. Diese nenne ich gerne die Tratschen. In der Regel Hausfrau älteren Jahrgangs, die jeden in der Nachbarschaft kennt, ob er will oder nicht. Natürlich hat die Tratsche außer den Pfandflaschen auch eine große Portion des neuesten Klatsch im Gepäck. Zack, und schon hat sie Frau Müller, Meier, Schmidt ein Gespräch an die Backe genagelt. Von nun an geht es sehr schleppend mit der Pfandrückgabe voran. Lautstark wird verkündet wer mit wem und warum uvm. Bis man diese, meist sehr beleibten Klatschbasen vom Automaten entfernt hat, kann viel Zeit vergehen.

Schauen wir uns zur Steigerung nun Typ drei der Zeiträuber und Pfandflaschen Terroristen an. Diesen Schlag Mensch nenne ich gerne den Freak. Sehr gut an seiner schlaksigen Figur zu erkennen, die vom Charme der 70ger umschmeichelt wird. Er trägt gerne eine abgewetzte Cordhose, vorzugsweise in dunklen Tönen. Abgerundet wird dieses Ensemble mit jeder Art von Strick-Oberteilen und schnodderigen Westen. Die Frisur gleicht oft einem Haubenkranich nach dem Aufstehen. Solche Typen sind meist über korrekt. Bevor auch nur eine Flasche in den Automat geschoben wird, lesen sie die Anleitung zum Einbringen der Flasche zum 20.000 mal. Danach wird nach Größe, Farbe und Marke sortiert. Nun geht es dann endlich los. Allerdings wird jede Flasche erst peinlichst genau in den Händen gerollt, bis der Barcode nach oben zeigt. Dann, aber wirklich erst dann, schiebt der Freak die Flasche in die Automatenöffnung. Nun wird gewartet, bis die Flasche eingezogen und zerkleinert wurde. Als nächsten Schritt überprüft der Freak, ob auch wirklich 25 Cent Gutschrift auf dem Display erscheinen. Bis solch ein Zeiträuber 10 Flaschen zurück gegeben hat, kann man sich locker eine Rasur gönnen.

Kommen wir nun zum Supergau am Pfandflaschen-Automat. Diesen Typ nenne ich Horrorkids und Satans Tochter. Anzutreffen sind diese Typen in den absoluten Stoßzeiten. Erkennungsmerkmale sind betont lockere Kleidung, ein bis zwei Kleinkinder und umgeben von einer Art Sozialpädagoginnen-Flair. Die Pfandflaschen werden gerne in kleinen Körben und/oder Jutetaschen mitgeschleppt. Bevor diese Typen an den Automat gehen wird den Kindern ersteinmal lautstark gefühlte 1.000 Fragen beantwortet. Endlich an der Rückgabe angekommen geht es los. “Ja warum weinst Du denn Saskia? Willst Du der Mama helfen?” Also wird dem Kind eine Flasche in die Hand gedrückt und vor die Öffnung gehalten. “Da musst Du die Flasche rein tun. Ja da rein, da rein. Nein nicht der Mama wieder geben. Ach Saskia, da muss die Flasche rein. Soll der Patrick dir das mal zeigen?” Balg Nummer zwei bekommt nun die Flasche in die Hand gedrückt. “Jetzt zeigt der Patrick mal der Saskia wie das geht. Patrick? Patrick? Du sollst der Saskia zeigen wie man die Flasche in den Automat legt. Du bist doch schon ein großer Junge. Na gut, dann gib die Flasche der Saskia wieder wenn du keine Lust hast.” Es folgt eine Heulattake von Patrick und Saskia lässt die Flasche fallen. “Schau mal Saskia, jetzt weint der Patrick, weil du die Flasche nicht nimmst. Willst Du die Flasche nicht wieder nehmen? Dann trösten wir den Patrick.”

Horrorkind Saskia will nun doch eine Flasche, aber die schöne grüne aus dem Korb. Es wird also gewühlt bis sie ihren Willen bekommt. Kaum hat sie die grüne Flasche, will Patrick diese natürlich auch haben. Pech ist nur, dass es nur eine grüne Flasche im Korb gibt. Also nimmt unsere Pseudo-Pädagogin die Flasche. “Schaut mal, die Mama macht euch das nochmal vor.” Sagt´s und schiebt die grüne Flasche in den Automat. Als Resultat heulen nun beide Bälger. So zieht sich das Theater endlos hin.

Die einzige Chance diesem Horror zu entgehen ist, den Einkauf direkt zu erledigen, damit die Horrorfamilie nicht vor einem an der Kasse ankommt, und die Rückgabe der Pfandflaschen auf das nächste Mal zu verschieben.

Ich habe es mal ausgerechnet. Insgesamt kosten mich diese Menschen in der Warteschlange ca. 5 Stunden Lebenszeit im Jahr. Unglaublich!

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3 Antworten zu “Zeiträuber und Pfandflaschen-Terroristen”


    Ja! Das ist wirklich der Superhorror. Das ist auch der Grund warum ich mich gern ums Flaschen wegbringen herum drücke.

    Wobei das Wort “Zeiträuber” in diesem Zusammenhang gut gewählt ist. Passt es doch wunderbar auch auf anderen “Nervkram” der einem täglich die kostbare Zeit stiehlt.
    Beim Autofahren zum Beispiel. Hier kann ich locker ein Klischee bedienen.
    EN.. und ME.. Autokennzeichen, das ist mein ganz persönlicher Horror.
    Wie bringen die es nur fertig, mit 30 durch die Stadt zu fahren obwohl 50 erlaubt, und die Straße frei ist?
    Wieso fahren viele dieser Zeitgenossen noch ein fettes Auto, wenn sie auf der Autobahn höchstens 80 fahren und das auf der Überholspur?

    Bin ich zu ungeduldig wenn ich einen Klamottenladen betrete und locker 5 Minuten an der Kasse stehe, während zwei Verkäuferinnen seelenruhig neu angelieferte Shirts sortieren und sich dabei auslassen, was sie denn nun am Wochenende unternehmen können?

    Nachdem ich die Nase voll hatte zu warten machte ich mich bemerkbar in dem ich laut Halloooo rief. “Augenblick” war die Antwort, dann kam sie gemächlich um die Ecke geschlört und schloss die Kasse auf. Ich konnte endlich bezahlen und den Laden verlassen.
    Mit einer solchen Einstellung zur Arbeit kann ich einfach nichts anfangen. Ich bin’s gewohnt zügig zu arbeiten.


    Ich empfehle Pfandflaschen aufzubewahren und als Wertanlage zu sehen. Wenn der Staat irgendwann den Pfandpreis erhöht, macht man einen Mordsreibach.


    [...] genau diesem Automaten stand dann ganz vorn auch noch wieder so ein Profi, der erstmal ein halbes Jahr Einwegflaschen sammelt und dann mit drei blauen Mülltüten loszieht [...]

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