Was für ein Vorstellungsgespräch
Diese Woche hatte ich ein Vorstellungsgespräch in einer Videothek, von dem ich Euch unbedingt berichten muss. Mental gut gerüstet, und mit einer perfekten Bewerbungsmappe finde ich mich zum vereinbarten Termin in der Videothek ein. Ab da hieß es erst einmal warten, da ein weiterer Bewerber noch im Gespräch war. Bis zu diesem Zeitpunkt also nichts ungewöhnliches.
Ca. 15 Minuten später geht die Tür auf und ein leicht verärgerter Bewerber läuft an mir vorbei. Direkt danach kam der Chef. Mit den Worten: “gehen wir in mein Büro” leitet er mich zu einer Türe, dessen Klinke sich schon beim anschauen in ihre Einzelteile zerlegte. Kaum im Raum angekommen, sah ich erst wo ich war. Herzlich Willkommen auf dem Klo, bzw. den Vorraum zu den stillen Örtchen. Der Geruch von Urinstein und Desinfektionsmittel umspielte meine Nase. Ich nahm auf einem Stuhl Platz, der zu einer Kücheneckbank gehörte, die schon einiges erlebt haben musste.
Nach der üblichen Einführung, wollte ich meinem Gegenüber meine Bewerbungsmappe überreichen. Dieser lehnte aber mit den Worten ab: “ist jetzt nichts persönliches gegen Sie, aber so Heftchen brauche ich nicht zur Beurteilung”. Sofort zog er nach: “Wissen Sie, im Grunde kann den Job hier jeder Affe erledigen. Das hören die Angestellten nicht gerne, aber es ist so.” In Gedanken sah ich mich schon im Schimpansenkostüm zwischen den DVD Regalen hangeln. Doch die Herabwürdigung der angebotenen Stelle hatte System. Wir kamen nämlich zum Thema Entlohnung. Ich komme mal direkt zum Wesentlichen. Er bot mir für eine Vollzeitstelle in Wechselschicht, ohne Zulagen und 6 Tage Woche einen Stundenlohn von 5,62 Euro an. Das macht ca. 950,- Euro Brutto im Monat. Berechnet man dies nun nach Steuerklasse 5, würde ich ca. 650,- Euro im Monat in der Tasche haben. Erschreckender als der Lohn selbst, war die Tatsache wie gelassen mein Gegenüber mir seine Lohnvorstellungen unterbreitete. Ich kenne Teilzeitkräfte und Putzfrauen die bei einer geringeren Stundenzahl weit mehr verdienen.
Nach dem ersten Schock, den ich mir nicht anmerken ließ, willigte ich ein. Schließlich sind 650,- Euro immer noch mehr als die aktuellen 0,- Euro. Außerdem dachte ich, kann man sich immer noch weiter bewerben. Die Videothek muss ja nicht das Ende sein.
Bei der Verabschiedung sagte er mir mehrmals, dass er mich bis 16:00 Uhr anrufen würde, um mir seine Entscheidung mitzuteilen. Er hat natürlich nicht angerufen.
Was soll ich sagen? Ein Chef, der seine Angestellten mit Affen gleichsetzt, die Bewerbungsgespräche zwischen Pinkelbecken und Waschtisch abhält und einen Lohn anbietet, der zum Überleben nicht reicht, der sollte doch wenigstens die Courage besitzen die Bewerber wie vereinbart zu informieren.
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06. Juli 2008 um 19:14
Da kann man froh sein, wenn man einen sicheren Job hat und sich mit solchen Ereignissen nicht beschäftigen muss.
Aber ich kann mir auch gut vorstellen, dass so etwas nicht der Einzelfall ist und es sicherlich vielen Leuten so geht.
25. Juli 2008 um 19:32
Solche Geschichten sind mir auch schon passiert. Die Krönung war allerdings ein “Chef”, der mir klipp und klar ins Gesicht sagte, ich wär für sein Unternehmen zu hässlich. Ich hab ihn dann allerdings aufgeklärt das ich für mein Aussehen nix kann, er aber für seine fettigen Haare und durchlöcherten Socken schon
26. Juli 2008 um 13:36
Ist ja unglaublich was man sich bei Bewerbungsgesprächen für Unverschämtheiten anhören muss. Du hast ihm den Spruch aber klasse gewechselt.